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Pierre Bonnard (1867–1947) war ein Magier der Farbe. Der
französische Maler und Graphiker fand seine Motive vor allem
in Paris, in der Normandie und an der Côte d‘Azur:
Straßenszenen, Frauen, Kinder, Stillleben, Ateliers und andere
Innenräume, aber auch üppig blühende Gärten, sommerliche
Terrassen und lichterfüllte Landschaften. Seine sinnlichen
Kompositionen wirken heute wie Balsam für die Seele. Dabei
sind sie schwierigen Lebenssituationen geradezu abgetrotzt.
Unsere Ausstellung zeigt seinen Weg vom talentierten Anfänger,
der mit dem Impressionismus groß geworden ist und sich als
Mitglied der Künstlergruppe „Nabis“ hervorgetan hat, bis zum
Individualisten, der sich nur schwer einordnen läßt.
In über 120 Gemälden, Zeichnungen und Graphiken wird deutlich,
dass Bonnard ein leuchtendes Kolorit, aber auch ungewöhnliche
Blickwinkel bevorzugt hat, ähnlich den japanischen
Farbholzschnitten, die im 19. Jahrhundert Verbreitung fanden.
Sein Werk hat sich im Dialog mit anderen Künstlern entwickelt,
um dann mit Hilfe von neuen Formen der Zwiesprache zur Reife
zu gelangen, bis es selbst Objekt des Interesses von Kollegen
wurde. Entsprechende Zeugnisse der Wahlverwandtschaft machen
ausgewählte Werke Bonnards und anderer Künstler deutlich.
Die Glück, Sorglosigkeit und Entspannung vermittelnden Bilder
Bonnards – insbesondere die von Gärten, Terrassen und
Landschaften – gehören zu den fortschrittlichsten Werken, die
die Malerei seiner Zeit hervorgebracht hat. Sie drücken von
starker Naturverbundenheit gespeiste Empfindungen aus und sind
gleichzeitig Experimente mit der Autonomie der Farbe. Bonnard
hat zwar die Grenze zur Abstraktion nie überschritten, seine
Grenzgänge aber haben weitergewirkt. Dabei sprengte er
konventionelle Gattungsgrenzen; neben „reinen“ Landschaften,
Figurenbildern, Stillleben und Interieurs schuf er zahlreiche
Arbeiten, die weder ganz dem einen noch ganz dem anderen Genre
zuzuordnen sind. Die Aufhebung überkommener Trennlinien
verfolgte er wie kaum ein zweiter Künstler durch die
Beschäftigung mit der Wirkung von Spiegeln und Fenstern als
Übergangszone zwischen Innenleben und Außenwelt und als Ort
der Begegnung verschiedener Sphären.
Internationale Leihgaben zahlreicher namhafter Museen,
Galerien und Privatsammlungen aus vielen Ländern, darunter
selten ausgestellte Stücke, erlauben das Werk eines Künstlers
kennen zu lernen und wiederzusehen, das seit einigen Jahren
zurecht von einem größeren Publikum immer mehr geschätzt wird.
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